Berlin-Weissensee-Pfarrkirche-Foto Sigrid Weise

Die alte Pfarrkirche

Erbaut:
ca. 15. Jahrhundert

Adresse:
Berliner Allee 180-184
13086 Berlin

Die alte Dorfkirche an der Berliner Allee, heute Pfarrkirche der evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Weißensee, ist ein spätmittelalterlicher Kirchenbau, der im ausgehenden 19. Jahrhundert neugotisch überformt wurde. Die Kirche ist der Jungfrau Maria, dem Evangelisten Johannes und der heiligen Katharina geweiht.

Der Bau geht in seinem Kern vermutlich auf die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück. Ältester erhaltener Teil ist das Untergeschoss des Westturms aus unregelmäßigem Feldsteinmauerwerk. Das Langhaus besteht durchgehend aus Backstein. Auf der Südseite ist eine vermauerte Spitzbogenpforte erhalten, jeweils zwei weitere zugesetzte Spitzbogenfenster befinden sich auf der Nordseite und der Südseite.

Der Turm bekam bei einer Erneuerung nach 1830 einen Aufsatz in neugotischen Formen, der Entwurf dazu stammte aus dem Umkreis von Karl Friedrich Schinkel.

1863 wurde das Kirchenschiff nach Osten verlängert, dabei erfolgte der Abbruch der mittelalterlichen Chor-Apsis. Auch die Erbbegräbnisse wurden verlegt.

1899-1900, bei einem weiteren Umbau nach Plänen von Theodor Prüfer, erhielt die Kirche ein Querschiff und eine polygonale Chor-Apsis neugotischen Formen.

1943 brannte die Kirche nach Bombenangriffen völlig aus. 1948/49 wurde sie in vereinfachter Form von Herbert Erbs wiederaufgebaut. Der Turm erhielt über dem Zeltdach einen einfachen Spitzhelm.

Das Innere der Kirche ist heute weitgehend modern.

Die Kirche besitzt eine Orgel der Firma W. Sauer aus Frankfurt/Oder. Die Schauseite der Orgel (Orgelprospekt) gestaltete Werner Richter, ebenso den Altartisch, die Taufe, die Kanzel und die Leuchter. Das Altarkreuz stammt von dem Berliner Kunstschmied Fritz Kühn. Die Glasbilder in den Apsisfenstern entwarf der Maler Gerhard Olbrich.

1474 erhielt die Kirche eine Kirchenglocke, zwei weitere 1664 (gegossen in Köln von Veit Siebenbaum) und 1864 (gegossen von W. Bachmann aus Berlin). Die Glocken von 1664 und 1864 wurden 1916 und 1942 zu Kriegszwecken eingeschmolzen, die älteste Glocke von 1474 beim Luftangriff 1943 zerstört. Seit den 60er Jahren besitzt die Kirche wieder 3 Glocken.

Rechts neben dem Kircheneingang befindet sich ein ehemaliges Mausoleum, das sich Johann Heinrich Leberecht Pistorius, Besitzer des Gutes Weißensee und erfolgreicher Unternehmer, im 19. Jahrhundert hier errichten ließ. Zunächst wurde seine Schwester, 1858 dann er selbst hier beigesetzt. Heute dient das Mausoleum der Gemeinde als kleiner Gemeinschaftsraum.

Zwischen dem Kirchengebäude und dem ehemaligen Pfarrhaus wurde 2007 der Katharinensaal in moderner Architektur in Holzbauweise für bis zu 300 Personen errichtet. (ws)

Berlin-Weissensee-Pfarrkirche-Foto Weissenseer Heimatfreunde e.V.